Logo Radsportfreunde Ahlen

Rolf-Aldag-Abschiedsrennen und Lambert-Gombert-Gedächtnisrennen

am 29. April 2006 in Ahlen


Aldag siegt bei eigenem Abschiedsrennen

Erik Zabel und Rolf Aldag bei Aldags Abschiedsrennen in Ahlen. Foto: Stefan Schwenke
Grund zum Jubel: Rolf Aldag hat sein letztes Radrennen gewonnen. Sein Dank gilt seinem Weggefährten Erik Zabel. Foto: Stefan Schwenke

Ahlen, 29. April 2006 (sts/mts). Bei Freunden kommt es auf die Trikotfarbe nicht an: „Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich noch mal für einen T-Mobile-Fahrer den Spurt anziehe“, sagte Erik Zabel, nachdem er Rolf Aldag als Anfahrer mustergültig zum Sieg in seinem letzten Rennen geführt hatte. Zabel, seit diesem Jahr beim Team Milram unter Vertrag, hatte wenige Runden vor Schluss den entscheidenden Ausreißversuch gestartet und war mit Aldag am Hinterrad davongefahren. „Das war unsere Taktik, ich hatte heute ganz viele Mannschaftskollegen mit unterschiedlichen Trikots, aber das wussten zum Glück die anderen nicht“, schlug ein geschaffter aber glücklicher Aldag in die gleiche Kerbe.

Der tragische Tod eines Seniorenfahrers war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. „Jens Voigt, Fabian Wegmann und Erik Zabel sind heute für mich gefahren, damit haben wir die anderen überrascht“, so Aldag. Im Bewusstsein dieser Unterstützung konnte der 37-Jährige das Rennen vor großer Kulisse zunächst beruhigt im hinteren Teil des Rennens angehen. Die nach Angaben von Bürgermeister Benedikt Ruhmöller rund 10.000 Zuschauer wunderten sich rundenlang, dass Aldag das Rennen zunächst mehr quatschend an der Seite langjähriger Freunde und Weggefährten wie Fabian Wegmann verbrachte, als vorne Angriffe abzuwehren. Nachdem ein stark auftrumpfender Milram-Express mit Enrico Poitschke, Ralf Grabsch, Björn Schröder und Martin Müller um ihren Kapitän Erik Zabel das Feld immer wieder kontrolliert hatten, begann das Rennen erst im Finale richtig. Bis dahin hatte vor allem Jens Voigt vom Team CSC mit seinen unnachahmlichen Angriffen und in den Wertungssprints für Tempo im Feld gesorgt.

Zu den Aktivposten des Rennens gehörte erwartungsgemäß auch Fabian Wegmann. Der Gerolsteiner-Profi aus Münster gab zwar hinterher offen zu, „ich habe mir natürlich gewünscht, dass Rolf Aldag hier gewinnt“, leicht machte er es dem Lokalmatador aber nicht. Wegmann organisierte eine Fluchtgruppe, zu der Aldag an der Seite von Jens Voigt erst nach rundenlanger Verfolgung aufschließen konnte. Als Zabel dann wenige Runden vor Schluss auf der Zielgerade antrat, hatten jedoch bis auf seinen Freund Rolf Aldag alle anderen Profis das Nachsehen. Der Rest war dann nur noch Formsache: Auf der Zielgerade konnte ein allerdings sichtlich gezeichneter Rolf Aldag schon vor der Ziellinie jubeln. Der Marathonlauf vom vergangenen Sonntag steckte noch in den Knochen. Als Dritter zeigte sich Bergfloh Fabian Wegmann mit Sprinterqualitäten. Der Träger des Bergtrikots der Tour de France holte sich im Spurt der Verfolger knapp Platz drei.

Im Rahmen der Ehrungen für Rolf Aldag war am gestrigen Abend viel Symbolik angesagt. Aus den Händen von Rudolf Scharping, Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, und seines Vize Udo Sprenger, der auch schon die Pott’s-Leeze-Tour mitgefahren war, gab es den goldenen Nagel des Verbandes. „Eine Ehrung, die wir nur ganz selten vornehmen“, so der ehemalige Bundesverteidungsminister. „Da kannst Du jetzt alles dranhängen, was Du nun nicht mehr brauchst.“ Viel dürfte das kaum sein. Der Radsportler, der den Radsport nicht nur durch seine Leistungen geprägt habe, sondern vor allem auch durch die Art, wie er seine Leistungen vollbracht habe, so Scharping, wird schließlich schon in drei Wochen auf Lanzarote seine Ironman-Premiere geben.

Ebenfalls äußerst symbolisch: Von Heinz Seesing, dem Organisator des Berliner Sechstagerennens, gab’s die Glocke, mit der im Frühjahr Aldags Frau Eva im Berliner Velodrom die letzte Bahnrunde des zehnfachen Sechstagesiegers eingeläutet hat. Unter den Gästen an der Strecke gab es auch neben Scharping und Sprenger noch reichlich Radsport-Prominenz. Der langjährige ZDF- und Eurosport-Kommentator Klaus Angermann sprach wohl stellvertretend für die meisten, als er Aldag mitteilte: „Ein ganz Großer des deutschen Radsports feiert heute seinen Abschied, es ist mir eine Ehre, dass ich hier in Ahlen dabei sein kann.“


 
aufwärts 

© April 2006 www.rsfahlen.de